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Können Sie freundlich Grenzen setzen? Oder lassen Sie sich ausbeuten und werden von der Arbeit krank?

Veröffentlicht am 11.02.2021

Die Ursache von Burnout ist NICHT der Job! Es sind die eigenen Verhaltensmuster mit denen Menschen Nähe und Distanz signalisieren.

 

Ist man im Job nicht in der Lage seine Grenzen zu ziehen, kann es zum Burnout kommen.

Letztens behauptete ein Bekannter, die Zukunft von Coaches sei rosig. Seiner Meinung nach steigt die Nachfrage nach Coaching sowohl privat als auch von Unternehmen immer mehr. Seine Tochter studiere Psychologie und die Zahl psychisch kranker Menschen nähme auch rasant zu.

Beides stimmt, allerdings rühmt man sich in Deutschland leider immer noch nicht gern damit, dass man mit einem Coach zusammen arbeitet oder gar die Hilfe eines Psychotherapeuten in Anspruch nimmt. 

Laut dem Magazin Spiegel raten selbst Ärzte in Deutschland ihren Patienten davon ab, ihre psychische Krankheit öffentlich zu machen, denn für viele Chefs und Kollegen gilt die betroffene Person als nicht belastbar und labil, einhergehend mit geringeren Chancen auf eine Beförderung.

Auch ich stelle immer wieder fest, dass meine Coachees sich mit Weiterempfehlungen schwer tun, da sie eigentlich nicht möchten, dass andere erfahren, dass sie sich Hilfe bei einem Coach gesucht haben. 

 

Fakt ist, dass der Wunsch nach Resilienz, also der inneren Stärke, immer lauter wird und auch das Burnout-Syndrom mit all seinen Vorstufen auf sämtlichen Hierarchiestufen in der Arbeitswelt stark vertreten ist. 

Als Coach wird man mit Coachees konfrontiert, 

  • die „auf einmal“ nicht mehr schlafen können 
  • die an Krankheiten leiden, von denen sie sich nicht erklären können, woher sie sie haben (Kopfschmerzen, Rückenleiden, Hautprobleme, u.ä.)
  • die immer öfter Konflikte mit Mitmenschen haben
  • die in ihrem Job unglücklich sind
  • denen sämtliche Energie abhanden gekommen ist und 
  • die das Gefühl haben, egal was sie ausprobieren, die Akkus sind nicht mehr aufladbar.

Aktuelle Studien zu Burnout und psychosomatischen Erkrankungen:

Die Studie der DAK-Gesundheit zeigen: 2020 mussten so viele Berufstätige wie noch nie wegen Rückenschmerzen im Job passen, und psychische Störungen erreichten einen neuen Höchststand.
Die Zahl der Krankentage wegen psychischer Probleme in Deutschland hat sich laut Bundesarbeitsministerium zwischen 2007 und 2017 mehr als verdoppelt – von 48 auf 107 Millionen Fehltage pro Jahr.
Nach AOK-Daten hat sich wiederum die Zahl der Arbeitsausfälle wegen einer Burnout-Diagnose im letzten Jahrzehnt beinahe verdreifacht.

Frage ich meine Coachees mit Anzeichen zum Burnout oder auch der bereits gestellten Diagnose „Burnout“, was ihrer Meinung nach die Ursachen sind, dass sie sich „ausgebrannt“ fühlen, höre ich in der Regel Antworten wie: Stress, ungeregelte Arbeitszeiten, Überstunden, ständige Erreichbarkeit aufgrund der digitalen Arbeitsweisen, Mobbing, fehlende Wertschätzung, ungerechte Behandlung und neuerdings auch das coronabedingte Arbeiten von zu Hause.

Burnout-Klienten haben ein ganz brutales Problem. Sie können für sich keine Grenzen ziehen und sie sind sich selbst nicht (mehr) wichtig. 

Wo psychisch stabile Menschen einfach „Nein" sagen, sind sie paralysiert. Sie machen alles, was man ihnen sagt und vergessen, sich selbst zu schützen. Burnout entsteht nicht ohne Grund! Es gibt verschiedene Ursachen.

An erster Stelle stehen folgende persönliche Eigenschaften, die uns in den Burnout treiben:

  • großer Ehrgeiz
  • Hang zum Perfektionismus
  • Neigung Stress herunterzuschlucken, da keine passende Strategie für die Stresssituationen gefunden wurde bzw. sich nicht die Zeit dafür genommen wurde
  • ausgeprägtes Helfer-Syndrom
  • Schwierigkeiten „Nein“ zu sagen

Menschen mit diesen Verhaltensprogrammen geht es darum, Wünsche und Erwartungen der Anderen zu erfüllen, denn sie möchten gefallen und gemocht werden und Konflikte vermeiden. Auch wenn das ihnen auferlegte Arbeitspensum größer ist als sie erledigen können, lehnen sie nicht freundlich ab oder delegieren, sondern machen alles selbst. So lange, bis sie Fehler machen, die tatsächlich auf sie zurückfallen und sie an der Last zerbrechen.  

Was unterscheidet also die Menschen, die unter gleichen Bedingungen kein Burnout entwickeln?

Personen, die in ihrem Verhalten und Denken NICHT so gesteuert sind, wissen wer sie sind, haben eine gesunde Selbstliebe und sind selbstbewusst.

Entweder lösen sie sich schneller aus schlechten Arbeitsbedingungen oder sie gehen diese erst gar nicht ein. Mobbing ist keine Thema für sie, weil sie sich darauf nicht einlassen und erst gar nicht in die Opferrolle schlüpfen. Zeitdruck lassen sie nur soweit zu, dass ihr Wohlbefinden nicht darunter leidet. Sie ziehen ihre sozialen als auch persönlichen Distanzzonen anders

Hinter dem fehlenden Grenzziehen stehen massive Zweifel im Hinblick auf den eigenen Selbstwert: „Ich muss mich nützlich machen, funktionieren und alle an mich gestellten Aufgaben erledigen, denn sonst bekomme ich nicht die Zuwendung und die Anerkennung, die ich mir wünsche.“ In diese Spirale katapultieren sich die Betroffenen meist selbst, da sie mit sich selbst und ihrer Leistung selbst nie ausreichend zufrieden sind. Alles um sie herum ist wichtiger als sie selbst und die eigenen Bedürfnisse werden gar nicht mehr wahrgenommen. Das wohlgemerkt ist den vom Burnout Betroffenen allerdings nicht bewusst: sie sind von ihrem Unterbewusstsein gesteuert

Und da kommen wir sehr schnell zur Ursache des Problems. Es ist etwas ganz Verborgenes mit großer Macht und erst einmal unerklärlichem Einfluss. Es kommt eigentlich immer aus der Kindheit, wo es ganz wichtig war seiner selbst Willen geliebt zu werden, ohne die Verknüpfung an die Erwartungen der Eltern. Dem Bedürfnis, Liebe und Sicherheit zu spüren, statt mit Leistung brillieren zu müssen. Zuwendung, Wertschätzung und Anerkennung lässt einen Menschen heranwachsen, der im Erwachsenenalter sich selbst mit Würde begegnen kann.

Hat man den auslösenden „Trigger“ (= Auslöser für ein Verhalten oder eine Empfindung
z.B. Angst, Enttäuschung, falscher Gehorsam, … ) für den Burnout erstmal ausfindig gemacht, gilt es darüber zu reden. Es sind nicht die vielen Gründe gemeint, die eigentlich nur das i-Tüpfelchen waren, auf die man den Burnout schieben kann (z.B. Schicksalsschläge wie Krankheit, Trennung, Unfall, allgemein große Verluste oder die Gesellschaft an sich bezüglich Leistungs- und Zeitdruck, Mobbing, schlechte Arbeitsbedingungen, etc.). Es spielt zunächst keine Rolle woher das kommt! Wichtig ist zu wissen, dass es so ist und sich eingestehen zu können, dass hier persönlicher Nachholbedarf ist.

 Würde man jetzt als Coach beginnen zu ergründen, warum zu wenig Selbstliebe und Selbstwert entwickelt wurde, würde der Coachee schnell in die Opferrolle schlüpfen und andere Personen (meistens die Eltern oder im beruflichen Umfeld gerne auch Vorgesetzte) für seine Gedanken und das eigene Fühlen verantwortlich machen. Es würde ihm vielleicht die letzte Energie rauben, um an sich selbst etwas zu verändern. 

Damit die Betroffenen lernen Grenzen zu setzen, um Burnout zu vermeiden, arbeite ich als Coach mit meinem Coachee prioritär daran: 

  • für Wahrnehmung zu sorgen
  • Automatismen aufzudecken und mit besser tauglichen, bewusst ausgewählten Verhaltensmustern zu ersetzen
  • für eine Sicht auf ein Problem aus mehreren Perspektiven zu sorgen
  • ihn zu ermutigen wieder Gefühle zu haben und Bedürfnisse zu spüren
  • über Ängste zu sprechen und ihnen so die Macht nehmen
  • ihn dazu bringen, als erstes sich selbst wieder mehr Respekt, Wertschätzung und Liebe zukommen zu lassen
  • statt Hass und Wut zu leben, für einen konstruktiven Umgang mit Problemen sorgen, bei dem Verantwortung und Zukunftslösungen im Vordergrund stehen

Ich helfe dem Coachee zu begreifen, dass es daran liegt WIE er sich verhält. Ganz wichtig ist hier seine Mitarbeit. Die Erwartung „repariere mich und optimiere mich“ führt ebenso wenig zur Besserung wie der Wunsch, dass andere sich verändern müssen, damit es ihm besser geht.

Gemeinsam erarbeiten wir neue Wege und eine selbstbewusste Handlungsfähigkeit in vielen kleinen Schritten, wo vorher Aussichtslosigkeit war.
Einen Plan B entwickeln, selbst wenn es erst einmal nur ein Plan bleibt, entspannt die Suche nach einem Ausweg sofort, gibt ein gutes Bauchgefühl und verhilft zu einer anderen mentalen Einstellung. Ein zusätzliches Resilienz-Training mit dem aktiven Erarbeiten der 7 Säulen der Resilienz, sowie Achtsamkeits- und Energieübungen gibt dem Coachee ein anderes, besseres Selbstbewusstsein und die Fähigkeit, seine individuellen Grenzen setzen zu können.  

Auf dem Weg dorthin, muss man bereit sein, seine „eigene Verletzlichkeit/Schwäche“ zuzulassen. Das ist nicht immer leicht und oftmals der Grund, warum nicht so gerne erzählt wird, dass man mit einem Coach zusammen arbeitet. Dabei ist genau das eine große Stärke.

Wenn ihr also die hier beschriebenen ersten Anzeichen eines Burnouts bei euch erkennt, habt den Mut und wendet euch an einen Psychotherapeuten, bucht euch ein Coaching bei einem zertifizierten Coach oder beginnt mit einem Resilienz-Training, damit es gar nicht erst zum Burnout kommt.

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