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Homeoffice / Remote Work. Was macht es mit uns?

Veröffentlicht am 29.10.2020

Für den einen ein Fluch, für den anderen ein Segen. Stimmen werden lauter, dass ein Lockdown bedingtes Homeoffice anstrengend sein kann und uns an körperliche und seelische Grenzen bringt. Sind wir dieser Situation ausgeliefert? Oder wieviel Einfluss haben wir selbst auf unseren Zustand dabei? Warum kommen manche gut zurecht und andere gar nicht, obwohl sie sich in einer vergleichbaren Situation befinden?

Für Arbeitnehmer ein Segen?

War es nicht für viele von uns die Traumvorstellung schlechthin? Die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten, ortsunabhängig, keine langen An- und Abfahrtswege zum Arbeitsplatz, flexible Arbeitszeiten, mehr Spielraum für Kinder- oder auch pflegebedürftige Elternbetreuung? 

Ob von Zuhause am Schreibtisch, im Zug während einer Geschäftsreise oder im Ausland an seinem Lieblingsort. Manche Tätigkeiten lassen sich mobil und ganz komfortabel auch an diesen Orten erledigen – sofern ein schneller Internetzugang funktioniert. All dies sind positive Assoziationen mit Homeoffice oder auch Remote Work.

Mit dem Lockdown durch die Corona-Pandemie wurde Homeoffice schneller salonfähig als manches Unternehmen sich vorstellen konnte. Anfangs empfand man, aus Arbeitnehmersicht betrachtet, größtenteils Begeisterung dafür.  

Oder doch eher ein Fluch?

Mit der Zeit höre ich als Coach und auch privat viele Stimmen, die immer öfter über die Nachteile des Remote arbeiten berichten:

  • die Vereinbarkeit von konzentrierter Arbeit von zu Hause, mit dem Geräuschpegel einer Familie mit Kindern als auch der Betreuung dieser während der Arbeitszeit, ist auf Dauer schwierig
  • Alleinlebenden „fällt manchmal die Decke auf den Kopf“, bedingt durch eine kleine Wohnung oder fehlende soziale Kontakte in der Firma - manche sprechen von sozialer Isolation
  • gerade Berufsanfänger oder Jobwechsler empfinden Nachteile, haben sie doch kaum die Chance, ihr neues Team wirklich kennenzulernen und die Unternehmenskultur zu spüren
  • oft leiden Menschen, die längerfristig von zu Hause arbeiten und dies an ihren eigenen Tischen und Sitzmöbeln tun, an physischen Beeinträchtigungen wie z.B. Rückenschmerzen, Halswirbel- und Schulterprobleme oder auch Kopf- und Augenschmerzen, bereitet. Das liegt an der nicht auf Ergonomie geprüften Büroausstattung des alternativen Arbeitsplatzes: höhenverstellbare Schreibtische, gescheite Bürostühle, geprüfte Lichtverhältnisse. 

Hier wäre zu erwähnen, dass es einen Unterschied zwischen Homeoffice und Remote Work gibt. Gestattet der Arbeitgeber ersteres oder ordnet er dieses sogar an und ist es schriftlich vereinbart, muss er laut Arbeitstättenverordnung dafür Sorge tragen, dass dem Arbeitnehmer ein Arbeitsplatz zu Hause ausgestattet wird. Beim Remote arbeiten spricht man davon, seinen privaten PC nutzen zu dürfen, den Arbeits-Laptop mit nach Hause oder auf Reisen zu nehmen, um standortunabhängig auf Dateien zugreifen zu können und mit dem Unternehmen zu kommunizieren - per E-Mail, Telefon und inzwischen zahlreichen spezialisierten Tools, die es erlauben, mit Kollegen und Vorgesetzten ebenso mühelos zu kommunizieren, als säße man gemeinsam am Konferenztisch. 

Die Sicht der Arbeitgeber

Arbeitgeber haben in der Pandemie dafür Sorge zu tragen, dass für Arbeitnehmer im Betrieb das Ansteckungsrisiko soweit wie möglich reduziert wird, um eine zu schnelle Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Im Lockdown wurde Homeoffice, wo auch immer es möglich war, angeordnet. Später hing es vom Inszidenzwert ab bzw. liegt im Ermessen des Arbeitgebers. Entscheidungsträger sind sie zwiegespalten, was das Arbeiten von zu Hause aus angeht.  

Da gibt es die eine Hälfte, die es befürwortet, weil sie feststellen können, dass sie zufriedenere Mitarbeiter haben, die die gewonnene Flexibilität zu schätzen wissen, die produktiver und gesünder sind, was sich auf das Geschäftsergebnis positiv auswirkt. 

Die andere Hälfte aber schürt Ängste, dass die Arbeit allzuoft unterbrochen und private Angelegenheiten geregelt werden. Während Mitarbeiter diese Freiheit schätzen, befürchten manche Arbeitgeber den Kontrollverlust. Für ein beispielsweise kurzes Telefonat oder das Annehmen eines Pakets bringen sie in der Regel Verständnis auf und vertrauen darauf, dass ihre Mitarbeiter die dafür benötigte Zeit reinarbeiten. Jedoch ist es für den Arbeitgeber häufig schwer zu beurteilen, ob „schwarze Schafe“ die gewährten Freiheiten zu seinen Ungunsten ausnutzen, wohlgleich man sich die Frage stellen muss, ob diese „schwarzen Schafe“ nicht auch im Büro Wege des „Nichtarbeitens“ finden. 

Studienergebnisse der Krankenkassen zum Arbeiten von zu Hause

Eine Studie der Krankenkasse DAK zeigt, dass die Produktivität im Homeoffice sogar höher ist als im Büro – laut einer Studie aus dem Jahr 2020 um 56 Prozent. 

Auch das Stresslevel der Befragten ist im Homeoffice niedriger: Vor der Corona-Pandemie fühlten sich 21 Prozent der Beschäftigten regelmäßig gestresst, in der Krise sind es nur noch 15 Prozent. Wie das möglich ist? Nachweisbar machen Arbeitnehmer zu Hause weniger Pausen und melden sich seltener krank. 

Viele wollen das Homeoffice nicht mehr missen: 77 Prozent der Beschäftigten, die erst seit der Corona-Krise regelmäßig von zu Hause arbeiten, möchten das auch in Zukunft – zumindest teilweise – beibehalten.

Eine andere Erkenntnis dazu ist allerdings auch, dass dies eine der Tücken des Homeoffice ist, da dies der Überarbeitung Tür und Tor öffnet und das schleichend. 

Was sagt die Politik dazu?

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil versucht mit einem Gesetzesentwurf auch gegen die negativen Aspekte des Homeoffice vorzugehen. Die gibt es laut DAK-Studie auch. Denn fast jeder Zweite vermisst danach die klare Trennung zwischen Beruf und Privatleben. Bei den 18- bis 29-Jährigen beklagt das sogar eine Mehrheit von 52 Prozent. Bislang wurden seine Gesetzvorschläge zum Homeoffice aber immer abgelehnt.

Zieht man eine Halbjahresbilanz zum coronabedingten Homeoffice, zerrt das Arbeiten von Zuhause mit zunehmender Dauer eben wegen der Beschränkung aufs Häusliche auch bei vielen an Gemüt und Nerven. Somit ist es vielleicht nur eine Frage der Zeit, wann sich die erhöhte Produktivität im Homeoffice in psychische oder psychosomatische Erkrankungen umwandelt. 

Hier braucht es klare Regeln, betont deshalb Arbeitsminister Hubertus Heil. Arbeitsschutz müsse es selbstverständlich auch im Homeoffice geben. Das Angebot bzw. die pandemiebedingte Anordnung von Homeoffice ist Teil einer modernen Arbeitswelt geworden. 

 

Meine Sicht als Coach

Viele fragen sich, wie soll ich denn gelassen bleiben, positiv denken und aus einer Krise gestärkt hervorgehen, wenn ich finanzielle Sorgen habe, mein Arbeitsplatz gefährdet ist, die Vereinbarkeit von Homeoffice, Homeschooling und Privatsphäre meine Energien aufbraucht und ich nicht einmal meine sozialen Kontakte so pflegen kann, dass meine Akkus wieder aufladen können?  Wenn dann so „schlaue“ Ratschläge kommen, wie z.B., arbeite an deiner individuellen Stressbewältigung, deiner Resilienz, deinem Denkmuster und Verhalten, ist die Skepsis groß und die Umsetzung in die Tat für viele unvorstellbar. 

Wie gut wir mit Situationen, Problemen und Herausforderungen des Lebens zurechtkommen, ob diese uns belasten oder uns erfreuen, ist trotz vieler Vorbehalte, aus meiner Sicht als Coach, vor allem eine Sache unseres Selbstmanagements und unserer Selbstwirksamkeit. Wer Stress empfindet oder eben nicht, ist individuell ganz verschieden und hängt in erster Linie davon ab, wie wir Situationen selbst einschätzen und bewerten und wie wir unsere Fähigkeiten, Stärken, Talente und Ressourcen beurteilen. 

Die Frage ist, was können wir also tun, um unsere negativen Empfindungen und Reaktionen sowie unser uns nicht glücklich machendes Verhalten zu ändern? Auf was haben wir keinen Einfluss, also was bedarf möglicherweise einer Regulierung von außen? Und was können wir selbst ändern bzw, beeinflussen? 
In nachfolgender Übersicht habe ich einige Störfaktoren des Homeoffice, die entweder an mich herangetragen wurden oder die ich in Gesprächen oder Berichten aufgegriffen habe, zusammengefasst und mit Lösungsmöglichkeiten sowie dem Verantwortungsbereich versehen: 

Was macht Homeoffice mit uns und was können wir selbst tun?

Störungen

Lösungen

Wer

Schmerzen des Skeletts /

der Muskulatur 

  • professionelle Büroausstattung unter Berücksichtigung ergonomischer Aspekte
  • öfter mal im Stehen oder Gehen arbeiten bzw. gymnastische Übungen durchführen
  • mit Arbeitgeber verhandeln oder privat investieren, wenn AG dies nicht übernimmt
  • man selbst

Kopfschmerzen

Augenschmerzen

  angemessene Lichtverhältnisse, Frischluft,
  Ergonomie, Pausen

  • mit Arbeitgeber verhandeln oder privat investieren, wenn AG dies nicht übernimmt
  • man selbst

Müdigkeit, Überarbeitung durch keine/zu seltene/keine „echten“ Pausen

  selbstwirksam für regelmäßige und  
  ausreichende Pausen sorgen;
  im Coaching hinterfragt man, warum sich
  keine Pause gegönnt werden; welche
  störenden Glaubenssätze hindern uns

  • man selbst
  • Zusammenarbeit mit Coach

deprimiert, frustriert, sich „ferngesteuert“ fühlen

  Verantwortung für sich selbst übernehmen;
  z.B. keine „nervigen“ privaten Dinge in den
  Pausen erledigen, sondern für erholsame
  Pausen sorgen: z.B. draußen spazieren gehen,
  schlafen, Pause ohne Handy und Social
  Media, sich gesund ernähren

  • man selbst
  • Zusammenarbeit mit Coach

das Gefühl immer erreichbar sein zu müssen und nie abschalten zu können

  • Arbeitszeiten mit Erreichbarkeit definieren
  • Gründe suchen, wenn man sich selbst nie genügt und meint immer mehr arbeiten zu müssen
  • mit seinem Team/Arbeitgeber besprechen
  • man selbst
  • Zusammenarbeit mit Coach

soziale Isolation

  privates Netzwerk ausbauen; fehlende
  Kontakte zu Kollegen oder Kunden durch
  private kompensieren; echte Beziehungen
  aufbauen

  • man selbst
  • Zusammenarbeit mit Coach

Führungskräfte / Arbeitgeber haben Angst vor Kontrollverlust

  • an eigener Vertrauensfähigkeit arbeiten
  • eigene Kommunikation mit Mitarbeitern/Kollegen professionalisieren
  • man selbst
  • Zusammenarbeit mit Coach

 

Es hilft, sich einen gesunden Optimismus zu bewahren, zuversichtlich und offen zu bleiben – und damit Sorgen und Ängsten bewusst entgegenzusteuern.  Körper, Geist und Seele sollten im Einklang sein, denn dann befinden wir uns in Balance, sind gelassener und ausgeglichener. Gesundes Essen, ausreichend Schlaf, Bewegung und Sport sind ebenso unverzichtbar wie ein gutes Emotions- und Stressmanagement.  

Letzteres können wir erlernen - wenn wir wollen:

  • im Einzelcoaching an der eigenen Haltung, dem Mindset, an alten Verhaltensmustern und an Glaubenssätzen arbeiten, die der Situation nicht zutragend sind
  • im Resilienz-Training mit den 7-Säulen der Resilienz (Lösungsorientierung, Optimismus, Opferrolle, Vertrauen, Akzeptanz, Netzwerk, Zukunftsorientierung) Gelassenheit erlangen und an der eigenen Widerstandskraft arbeiten
  • im Team-Coaching gewünschte Veränderungen gemeinsam erarbeiten und nachhaltig umsetzen

Natürlich erlernt man all das nicht über Nacht und auch nicht an einem Wochenende - aber - man kann damit beginnen, darüber nachdenken, diskutieren, in  kleinen Schritten sein Verhalten ändern und nach einiger Zeit zurückblickend merken, dass man dem Ziel „Resilienz“ ein Stück weit näher gekommen ist. 

Ich würde mich freuen, Ihnen dabei helfen zu können.

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